Plötzlich US-Open-Siegerin - Stephens auf Williams-Spuren

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Sloane Stephens - © Foto: Julio Cortez
Ein Pokal und ein Preisgeld von 3,7 Millionen Dollar: Sloane Stephens hat die US Open gewonnen. (© Foto: Julio Cortez)

New York - Keck, unbekümmert und selbstsicher wie auf der weltweit größten Tennis-Bühne tritt Sloane Stephens auch als Sensationssiegerin der US Open auf.

Nach dem krönenden Abschluss ihrer märchenhaften Comeback-Geschichte beweist die Nachfolgerin von Serena Williams als amerikanische Grand-Slam-Siegerin gelöst ihr Talent als Unterhaltungskünstlerin - und erntet für so manchen Spruch Applaus. «Ich sollte direkt zurücktreten, ich werde das nie toppen», scherzt die 24 Jahre alte Stephens. «Wer meine Geschichte hört, denkt, das ist verrückt.»

Plötzlich US-Open-Siegerin - Stephens auf Williams-Spuren


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Stephens und Keys im Vergleich

Vor ihr steht der glänzende Silberpokal. Hinter ihr leuchtet ihr Name als US-Open-Gewinnerin 2017 auf. «Wow, wie verrückt ist das?», beschreibt sie ihre Gedanken nach dem unerwartet lockeren 6:3, 6:0 gegen die befreundete Madison Keys. «Wow!», wiederholt sie. «Wow».

Wohl keiner hatte vor zwei Wochen gedacht, dass die frühere Melbourne-Halbfinalistin durch das Turnier stürmen würde. Doch in diesem irren Tennis-Jahr und ohne die junge Mutter Serena Williams ist das möglich. Am 23. Januar war Stephens nach einem Ermüdungsbruch operiert worden. 16 Wochen durfte sie mit dem linken Fuß nicht auftreten. Insgesamt hatte sie bis Wimbledon elf Monate ausgesetzt, da sie schon vor der Verletzung und der OP lange pausiert hatte.

Vor fünf Wochen wurde Stephens als Nummer 957 der Welt gelistet. Als ungesetzte Spielerin und 83. ging die Achtelfinal-Bezwingerin von Julia Görges ins Turnier, nie war eine US-Open-Siegerin schlechter platziert. Nur Kim Clijsters hatte 2009 gar kein Ranking. Am Montag klettert Stephens auf Platz 17, so hoch wie seit Mai 2014 nicht mehr. «Gratulation zu fantastischen Wochen», schreibt Görges.

Cooler und geduldiger als die nervöse Keys tritt Stephens im ersten amerikanischen US-Open-Finale seit 2002 und im Duell zweier Endspiel-Debütantinnen an. In nur 61 Minuten demütigt sie die an Position 15 gesetzte Keys, umarmt ihre gute Tennis-Freundin dann lange am Netz, in den Armen ihrer Mutter kommen ihr die Tränen. Als Stephens von ihren nur sechs Fehlern hört, schnippt sie begeistert von sich selbst mit den Fingern. Serena Williams schreibt: «Hoffentlich das erste von vielen Endspielen.»

Als Stephens 2013 bei den Australian Open das Halbfinale erreichte, galt sie auch als potenzielle Nachfolgerin der Williams-Schwestern, schaffte aber den Durchbruch nicht. «Dass sie so lange nicht auf dem Platz war, hat ihr geholfen, zu erkennen, wie sehr sie das Spiel liebt. Ich denke, das war das Beste, was ihr passieren konnte», sagt Keys und meint enttäuscht: «Drinks werden mir jetzt helfen.»

Stephens hetzt nach ihrem Triumph mit ihrer Mutter im Schlepptau von einem Interview zum nächsten und hebt ihren Blick kaum von den Glückwünschen auf ihrem Handy. Nicht nur bei ihrem Opa ist sie gleich gefragt. «Es fühlt sich wie ein Traum an, als ob ich gleich aufwachen würde», sagt die 24-Jährige und erklärt: «Wenn sich jemand Grand-Slam-Champion nennen kann, werden sich einige Dinge verändern.»

Wie schwierig es ist, mit der Last und dem neuen Trubel umzugehen, und konstant auf einem hohen Niveau zu spielen, musste auch Angelique Kerber nach ihrem Australian-Open- und US-Open-Coup 2016 lernen. Die Kielerin steckt mittlerweile in einer Dauerkrise. Seit Serena Williams pausiert, gibt es keine, die die Damen-Tour beherrscht. Die überraschenden Erfolgsgeschichten von Stephens und Keys sowie die amerikanischen Tennis-Festtage mit vier US-Halbfinalistinnen sind auch das Ergebnis der aktuellen Unberechenbarkeit im Damen-Tennis.

Simona Halep scheiterte mehrmals in entscheidenden Momenten. Jelena Ostapenko gewann die French Open, aber spielte bei den folgenden beiden Grand-Slam-Events keine große Rolle mehr. Wimbledon-Gewinnerin Garbiñe Muguruza löst am Montag Karolina Pliskova als Nummer eins ab, wurde aber als Achtelfinal-Verliererin und Zuschauerin nur aufgrund der komplizierten Weltranglisten-Rechnerei Erste.

Stephens hat die Chance genutzt und ist nun erste amerikanische Grand-Slam-Siegerin ohne den Nachnamen Williams seit 2002. Ob sie und Keys eine Eintagsfliege bleiben oder dauerhaft als Williams-Nachfolgerin infrage kommen und das US-Tennis auf eine erfolgreiche Zukunft blickt, wird sich zeigen.

Ob sie hungrig sei auf weitere Grand-Slam-Siege? «Natürlich. Habt ihr nicht den Scheck gesehen, den ich bekommen habe? Wenn du dafür kein Tennis spielen willst, weiß ich auch nicht», sagt Stephens und kündigt an, in einer gemeinsamen Partynacht Keys zu unzähligen Getränken einzuladen. Ihr Preisgeld beträgt 3,7 Millionen US-Dollar.

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