TC BW Halle-Teamchef Thorsten Liebich: „Das war nah am Optimum“

Philipp Kreutzer

Da ist das Ding: Halles Teamchef Thorsten Liebich hebt den Pokal für den deutschen Tennis-Mannschaftsmeister. Foto: Philipp Kreutzer - © Foto: Philipp Kreutzer
Da ist das Ding: Halles Teamchef Thorsten Liebich hebt den Pokal für den deutschen Tennis-Mannschaftsmeister. Foto: Philipp Kreutzer (© Foto: Philipp Kreutzer)

Halle. Thorsten Liebich, Teamchef des neuen deutschen Meisters TC Blau-Weiß Halle, zieht ein äußerst positives Saisonfazit. Als wichtigen Faktor für den Erfolg nennt er neben seiner Mannschaft das Publikum.

Herr Liebich, wie gehts Ihnen am Morgen nach der Meisterfeier?

Thorsten Liebich: Mir gehts gut, danke. Klar, wir haben am Sonntag kräftig gefeiert, es ging bis tief in die Nacht. Aber mit so einem frischen Titel fühlt man sich am Morgen danach sehr gut.

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Sie haben alle fünf Haller Meistertitel hautnah miterlebt, vier davon haben Sie als Teamchef entscheidend mitgeprägt. Was unterscheidet diese Meisterschaft von den vorherigen?

Liebich: Die Besonderheit dieses Titels hängt mit der mittlerweile extremen Ausgeglichenheit der Liga zusammen. Wir hatten es in dieser Saison in allen Spielen mit harten Gegnern zu tun. Früher gab es Kurhaus Aachen und Mannheim und uns, die um den Titel gespielt haben. Und ansonsten kaum ein Team, das sich getraut hat, oben mitzuspielen. Das hat sich geändert, und insofern ist es besonders toll, mit den Jungs die Meisterschaft zu holen.

Wann haben Sie gespürt, dass es klappen kann mit dem Titel?

Liebich: Am dritten Spieltag, nach dem 4:2-Sieg bei Blau-Weiß Aachen. Dort haben wir zum zweiten Mal einen 0:2-Rückstand aufgeholt, und das hat im Team viel Energie freigesetzt. Ich habe gemerkt: Es läuft. Und das konnte man dann auch in der Whats-App-Gruppe unserer Mannschaft spüren, wo sich die Spieler mit Nachrichten gegenseitig richtig gepusht haben.

Welche Zutaten braucht es für den Titel des deutschen Mannschaftsmeisters?

Liebich: Man braucht Pütz! (lacht). Nein, es sind viele Faktoren: Eine Gruppe, die gern zusammen ist, mit Leuten, die den Teamgedanken immer vorleben. Damit meine ich nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Umfeld: das Platzteam, die Ballkinder, die Mitglieder. Sie alle haben den Spielern das Gefühl gegeben: Ihr seid wichtig für uns. Die Zuschauer sind auch ein wesentlicher Faktor, weil die großen Kulissen bei den Heimspielen sehr motivierend für die Spieler waren. Als es am Sonntag gegen Düsseldorf schnell 3:0 stand und die Meisterschaft entschieden war, tauchte die Frage auf, ob die Doppel noch gespielt werden. „Natürlich spielen wir Doppel", haben die Jungs gesagt, „guckt mal, was hier auf der Anlage los ist."

Entscheidend für den Erfolg ist sicher auch eine präzise Planung.

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Liebich: Klar. Es geht Jahr für Jahr darum, das Personalpuzzle richtig zusammenzusetzen. Ich habe früh mit Tim Pütz und Daniel Muno-de la Nava gesprochen und ihnen gesagt, dass ich sie so oft wie möglich dabei haben will, weil sie Erfolgsgaranten und wichtig für die Stimmung im Team sind. Dazu hatten wir Glück, dass uns Jan-Lennard Struff im Saisonfinale zur Verfügung stand statt die Turniere in Amerika zu spielen. So hatten wir hinten raus, als die ATP-Tour schon drüben in den USA und Kanada lief, immer noch eine starke Mannschaft. Unser Glück war auch, dass wir weitgehend verletzungsfrei durchgekommen sind.

Wird sich das Gesicht der Mannschaft zur kommenden Saison verändern?

Liebich: Das ist noch nicht klar. Über die weiteren Planungen möchte ich demnächst erst einmal mit Teammanager Ralf Weber und seinem Vater Gerhard sprechen, der ja Vereinsvorsitzender ist. Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, dass wir inzwischen auch einige externe Sponsoren dazugewonnen haben, die die personellen Planungen erleichtern.

Personelle Veränderungen scheinen angesichts des Erfolgs eigentlich gar nicht unbedingt nötig zu sein, oder?

Liebich: Stimmt, die Mannschaft funktioniert. Der Erfolg ist da, und die Zuschauerzahlen passen ebenfalls. Aus meiner Sicht könnte es höchstens um punktuelle Veränderungen gehen. Man muss zum Beispiel sehen, wie es mit Aslan Karatsev weitergeht. Er hat in dieser Saison verletzungsbedingt kein einziges Match für uns bestritten.

Sehen Sie eigentlich trotz des momentanen Erfolges auch irgendwo Verbesserungsbedarf?

Liebich: Was die Bundesliga insgesamt betrifft, wäre eine einheitliche Vermarktung sinnvoll, um öffentlichkeitswirksamer zu werden und weitere Einnahmen zu generieren. Die Erfahrung zeigt aber, dass es sehr schwierig ist, die Interessen der einzelnen Clubs unter einen Hut zu bekommen, so wie es etwa im Fußball die DFL tut. Bei uns kämpft jeder Verein für sich in seiner lokalen Zone. Für Halle gesprochen, kann ich sagen, dass die Saison insgesamt sehr nah am Optimum war. In der Organisation genauso wie in sportlicher Hinsicht. Wir sind schließlich ungeschlagen geblieben.

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