Entwürfe für den Markt: CDU-Fraktionschef wirbt für Nitschke

Jonas Damme

Harte Fakten in Aquarell-Optik: Diese Darstellung des Architekturbüros Nitschke aus Bielefeld zeigt die Südost-Seite des Marktplatzes von der Woerdener Straße aus. Neben den modernen Giebeln sind auch die verschiedentlich geforderten oberirdischen Parkplätze zu erkennen. Grafik: Architekt Hendrik Nitschke - © Architekturbüro Nitschke
Harte Fakten in Aquarell-Optik: Diese Darstellung des Architekturbüros Nitschke aus Bielefeld zeigt die Südost-Seite des Marktplatzes von der Woerdener Straße aus. Neben den modernen Giebeln sind auch die verschiedentlich geforderten oberirdischen Parkplätze zu erkennen. Grafik: Architekt Hendrik Nitschke (© Architekturbüro Nitschke)

Steinhagen. Jetzt soll endgültig über das künftige Gesicht des Marktplatzes entschieden werden. Über viele Monate haben die Ratsfraktionen erörtert, welche Bebauung und welche Nutzung auf den Grundstücken der Häuser Cronsholl und Gläsker sowie den folgenden wünschenswert und umsetzbar wäre.

Am Montagabend hatte die CDU-Fraktion noch einmal zur öffentlichen Fraktionssitzung in den Ratssaal eingeladen. Fraktionsvorsitzender Herbert Mikoteit stellte mit Unterstützung von Experte Dr. med. Heinz-Josef Sökeland noch einmal die drei Varianten des Architekturwettbewerbes vor. Wie eine ergebnisoffene Diskussion wirkte die knapp zweistündige Fraktionssitzung im Ratssaal allerdings von Anfang an nicht. Das lag vor allem daran, dass sowohl Mikoteit als auch Sökeland sofort klarmachten, wo ihre Prioritäten liegen.

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Heute im Ausschuss

Um 17.30 Uhr trifft sich der Haupt- und Finanzausschuss im Ratssaal. Dann soll beschlossen werden, welche der drei Architekturvarianten gebaut wird. Mittlerweile haben sich alle drei Architekten darauf eingestellt, dass am Markt vermutlich Gemeinschaftspraxen entstehen.

Sökeland, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Mitinitiator mehrerer Gesundheitszentren in der Region, begann seinen Redebeitrag damit, eindringlich darzustellen, dass der Hausärztemangel bereits jetzt nachweisbar ist. „Die hausärztliche Versorgung ist ein großes Problem im ganzen Kreis. Wer noch glaubt, dass es genügend Hausärzte gibt, hat von der Materie keine Ahnung", so Sökeland. „Von 13 Kommunen im Kreis sind fünf bereits notleidend. Einige Ärzte arbeiten deshalb heute schon bis 75. Es ist ein Drama." Gleichzeitig führte er aus, dass die Lösung aus seiner Sicht nur Gemeinschaftspraxen seien könnten. „Dieser Trend bringt viele Vorteile. Das sind einfach die neuen Strukturen."

Alles in allem legte er dar, wie sehr Steinhagen auf eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis, wie sie am Markt entstehen könnte, angewiesen sein wird und bestätigte damit, was der potenzielle Investor Lutz Heitland schon seit Monaten wiederholt. Und nicht nur in diesem Punkt gab der Arzt dem Apotheker Rückendeckung. Auch was die von einigen mit Skepsis betrachteten Tiefgaragen angeht, sind die Ansichten fast identisch: „Die Landbevölkerung wird nicht in Tiefgaragen fahren", wiederholte Sökeland eine Kernaussage von Heitlands Argumentation im Wortlaut.

Dr. Heinz-Josef Sökeland - © Robert Becker
Dr. Heinz-Josef Sökeland (© Robert Becker)

Ohne dass Dr. Sökeland den Namen eines der drei am Wettbewerb beteiligten Architekturbüros in den Mund genommen hätte, war sein Rat damit eindeutig. Nur Architekt Hendrik Nitschke hatte in seinen Plänen von vornherein auch oberirdische Parkplätze eingeplant. Die Büros Hauer und Streich hingegen setzten ganz auf Tiefgaragen.

Auch Moderator Herbert Mikoteit machte keinen Hehl daraus, dass er sich mittlerweile nur eine Lösung vorstellen kann. „Für mich und die Teile meiner Fraktion, mit denen ich gesprochen habe, sind oberirdische Parkplätze unerlässlich", sagte er. Und folgerichtig stellte er gegen Ende der Veranstaltung auch die Frage in den Raum: „Sind Sie mit mir einer Meinung, dass die CDU-Fraktion für Nitschke entscheiden soll?" Eine spontane Abstimmung war eindeutig: Nur zwei Abweichler wählten die anderen Architekten.

Einige der rund 35 Gäste – darunter auch knapp zehn Apothekenmitarbeiter, für die die Ärztehausfrage beruflich wichtig ist – kommentierten den Vortrag. Zu einer großen Diskussion kam es aber nicht. Mehrere Diskutanten betonten ebenfalls, dass nur Nitschkes Variante sinnvoll sei. Daneben gab es Detailfragen, wie die zur Begrünung des Marktplatzes.

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Hier finden Sie alle Berichte zur Bebauung am Markt in Steinhagen.

Schließlich wurden noch zwei interessante Einlassungen zur Rolle von Herrn Heitland gemacht. Die Nachfrage, ob es nicht besser gewesen wäre, schon Anfang des Jahres seinen Ärztehausplänen zu folgen, war natürlich schwer zu beantworten.

Sie regte Herbert Mikoteit aber dazu an, den anwesenden Apotheker zu fragen, ob er denn heute noch als Investor zur Verfügung stehe. „Es ist bitter. Wir hatten zwei Ärzte, die sind jetzt abgesprungen. Wir fangen nun wieder bei null an", wich der Apotheker aus und verwies auf eine spezialisierte Anwaltskanzlei, die nun Kontakt zur Gemeinde aufgenommen und angeboten hat, sich ebenfalls auf die Suche nach Hausärzten zu machen: „Die rechnen mit drei bis vier Jahren, um neue Ärzte anzuwerben. So viel Zeit haben wir nicht."

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