Feuerwehr trainiert für den Ernstfall

Inszeniert wurde ein Unfall mit der Dekontamination eines Verletzten

Herbert Gontek

Erstversorgung: Mit einem Strahlrohr besprühem Feuerwehrleute den Verletzten. Das Wasser verdünnt die Salzsäure. - © Foto: Herbert Gontek
Erstversorgung: Mit einem Strahlrohr besprühem Feuerwehrleute den Verletzten. Das Wasser verdünnt die Salzsäure. (© Foto: Herbert Gontek)

Steinhagen. Wer nach einem Chemieeinsatz dekonterminiert werden muss, kann nicht mit einer warmen Dusche rechnen. Aus den Düsen der Felddusche fließt kaltes Wasser, direkt so wie es aus dem Tank des Löschfahrzeuges kommt. Das reinigt und schließt die Poren und ist deshalb besser als warmes Wasser. Geprobt wurde dieser Ernstfall am Montagabend in einer gemeinsamen Übung aller Steinhagener Löschzüge bei der Firma Hanke & Seidel. Dort sollte, so sah es das von Sven Mescher ausgearbeitete Szenario vor, bei einem Abfüllvorgang Salzsäure auslaufen.

Nichts für Warmduscher

Kurz nach 19 Uhr rückten die rund 100 Einsatzkräfte bei der Firma an. Zunächst wurde die Gefahrenstelle großräumig abgesperrt, damit keiner der ungeschützten Kräfte sich in dem Gefahrenbereich bewegte. Zu Beginn in normaler Einsatzkleidung und mit Atemschutz leistete ein Trupp erste Hilfe für einen betroffenen Mitarbeiter. Mit Gurten, ohne nahen Körperkontakt, wegen einer möglichen Verseuchung der Kleidung, wurde der Dummy aus dem Gefahrenbereich gezogen. Feuerwehrsprecher Andreas Kramme: „Bei der Menschenrettung gehen wir das Risiko ein, schnell ohne Vollschutz in den Bereich einzudringen. Die handwerklichen Sicherungsarbeiten werden dann aber zum Schutz unserer Mannschaft nur noch in einem Vollschutzanzug erledigt."

Vollschutz: Die Spezialisten werden von der Einsatzleitung gebrieft. Ihre Aufgabe ist, das lecke Ventil zu schließen. - © Foto: Herbert Gontek
Vollschutz: Die Spezialisten werden von der Einsatzleitung gebrieft. Ihre Aufgabe ist, das lecke Ventil zu schließen. (© Foto: Herbert Gontek)

Um die Feuerwehrfrauen- und -männer nicht nachträglich durch aufgenommene Chemie an der Schutzkleidung zu gefährden, müssen sie sich nach dem Verlassen des Gefahrenbereichs gründlich reinigen lassen. Dafür stehen bei der Feuerwehr in Steinhagen eine mobile Dusche und ein Durchlaufbecken zur Verfügung. In dieser Schleuse ist je nach chemischem Mittel ein komplettes Umziehen nötig. Ersatzwäsche steht deshalb zur Verfügung.

Geübt werden muss immer wieder der Einsatz mit den Vollgummianzügen. In den dichten Overalls steigt auch bei nur mäßig warmem Wetter die Temperatur schnell in den Bereich des ungemütlichen an. Unter physischer und psychischer Belastung schwinden die Kräfte oft schneller als erwartet. Weiter erschwert wird die Tätigkeit durch ein eingeschränktes Sichtfeld.

In diesem Fall verschlossen die Feuerwehrleute die leckgeschlagene Leitung mit einem simplen Holzkegel. Andreas Kramme: „Das muss von Mal zu Mal neu entschieden werden. Keine Einsatzlage ist gleich. Deshalb holen wir uns auch immer Expertenrat ein."

Die Übung wurde von Thomas Beine, Pressesprecher bei Hanke & Seidel, genau beobachtet: „Wir tun alles, damit die Feuerwehr weiß, was bei uns läuft und stehen auch mit Rat und Tat zur Seite."

Oft ist der einfache Weg der Beste: Ein hölzerner Kegel wird in das Rohr geschlagen und dichtet das Faß provisorisch ab. - © Foto: Herbert Gontek
Oft ist der einfache Weg der Beste: Ein hölzerner Kegel wird in das Rohr geschlagen und dichtet das Faß provisorisch ab. (© Foto: Herbert Gontek)

Andreas Kramme bestätigte, dass es mit den Steinhagener Firmen einen kontinuierlichen Dialog gibt die Einsatzpläne zu aktualisieren, um bei Bränden nicht von außergewöhnlichen Problemen und unbekannten Materialien überrascht zu werden.

Bei solchen Chemieeinsätzen kann sich die Feuerwehr zunächst Rat bei den Experten im Unternehmen holen. Des Weiteren stehenden Hotlines und auch speziell geschulte Kräfte in Werksfeuerwehren im Land zu Verfügung. Wenn das alles nicht reicht, kann auf Experten zurückgegriffen werden, die sogar per Hubschrauber eingeflogen werden, wenn es die Einsatzlage es verlangt.

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