Youtuber "Stanplay": In Köln ein Star, in Halle unbekannt

Max Maschmann

Stanplay - © Screenshot: Youtube
Stanplay (© Screenshot: Youtube)

Halle. Ein Mal im Jahr wird Köln zur Pilgerstätte für Spielejunkies. Die Gamescom zieht Tausende an, 355?000 waren es in diesem Jahr – so viel wie noch nie. Auch der Haller Stanislav, der seinen ganzen Namen aus Schutz der Privatsphäre nicht in der Zeitung lesen möchte, ist darunter. „Für mich war es das fünfte Mal", sagt er beim Pressegespräch in einem Haller Café nahe der Innenstadt. Zugleich ist es eine Premiere.

Links zum Thema
Hier geht es zum Youtube-Kanal von Stanislav.

Es ist nämlich das erste Mal, dass Stanislav bei der Spielemesse gefragt ist. Das bedeutet: Er moderiert zwei Tage ein Clash-Royale-Turnier (siehe Info) mit 32 der besten Spieler Europas, schreibt in den Pausen Autogramme, posiert für Selfies und ist auch Hauptattraktion eines Meet & Greets. „Es ist schwer zu beschreiben, aber es fühlt sich cool an", sagt Stanislav, wenn man ihn auf seine Bekanntheit anspricht. Er schätzt, dass er zwischen dem 22. und 26. August an die 200 Mal etwas signiert oder in die Kamera eines Handys gelächelt hat.

Comedy sollte eigentlich das Zugpferd werden

Angst davor, einmal so groß zu werden wie "Gronkh", hat Stanislav nicht. Gronkh gilt als einer der größten Youtuber Deutschlands. Mehr als 4,6 Millionen Menschen haben die Kanäle von Erik Range abonniert, wie Gronkh mit bürgerlichem Namen heißt. Bekannt machten ihn Let’s-Play-Videos (siehe Info). Jetzt benötigt er einen Stundenplan, um bei der Spielemesse einen Überblick über seine Termine zu behalten. So weit ist Stanislav noch nicht.

Begonnen hat die Youtube-Karriere des 29-Jährigen im April 2014. Der gebürtige Kirgise ist zu dieser Zeit experimentierfreudig, probiert vieles aus. Den Kanal Stanplay gibt es noch nicht. Stattdessen lädt er bei »Heystan« Gaming- und Comedy-Videos hoch, nimmt bekannte Youtube-Videos auf die Schüppe. „Ich habe das Ganze irgendwann getrennt", sagt Stanislav. Auch, weil er davon ausgeht, dass Comedy sein Zugpferd sei. Ein Irrtum.

Spätestens seit der Veröffentlichung von Clash Royale ist der 2015 gegründete Spielekanal Stanplay explodiert. „Es ist ein Spiel, das süchtig macht", versucht Stanislav den Reiz zu erklären. Und eines, das rasch eine immer größere Anhängerschaft findet. Pro Monat schauen vier Millionen die Videos auf seinem Kanal. 1000 Videos hat er bisher hochgeladen. Jeden Tag produziert er nach Feierabend ein neues Video. Das Know-how dafür hat sich der gelernte Fachinformatiker mit der Bearbeitung und dem Schnitt von Urlaubsfotos und -videos selbst beigebracht. Stillstand gibt es auf seinem Kanal nicht. Fährt er in den Urlaub – was oft vorkommt – müssen ausreichend Videos vorproduziert werden. „Mein Rekord liegt bei 25", sagt Stanislav.

In der Provinz fühlt er sich wohl: Der 29-jährige Youtuber Stanislav genießt das Leben in der ostwestfälischen Kleinstadt. In Halle möchte er auch langfristig sesshaft werden. Screenshot: Youtube - © Max Maschmann
In der Provinz fühlt er sich wohl: Der 29-jährige Youtuber Stanislav genießt das Leben in der ostwestfälischen Kleinstadt. In Halle möchte er auch langfristig sesshaft werden. Screenshot: Youtube (© Max Maschmann)

Apropos: Kann man nur von Youtube leben? „Man kann", bestätigt er. Wie viel er genau auf der Videoplattform verdient, möchte er nicht sagen. Nur so viel: Es ist ein vierstelliger Betrag, der jeden Monat zusammenkommt. „Die Unsicherheit, davon abhängig zu sein, möchte ich aber nicht haben", erklärt Stanislav, weshalb er seinen Job als Systemadministrator in Bielefeld nicht aufgibt.

Bis dahin genießt er es, dass im Durchschnitt 70.000 Menschen eines seiner Videos sehen. Was er über solche Zahlen denkt? Stanislav überlegt, dann sagt er: „Man verliert den Menschen dahinter, sieht nur noch die Klickzahlen." Auch deshalb seien Events wie die Gamescom gut, um mit den Leuten in Kontakt zu treten, die seine Videos schauen. Dass er Einfluss auf die Personen am Bildschirm hat, ist ihm bewusst. „Ja", sagt Stanislav „wir haben viel Einfluss." Aber er versuche immer kenntlich zu machen, dass es sich um seine eigene Meinung handelt.

Hier im Haller Café spricht ihn niemand an, ahnt niemand, wie viele Menschen er mit seinen Videos erreicht. „Mein Klientel ist hier nicht", sagt er. Allenfalls in der Bielefelder Innenstadt wird er hin und wieder von Fans erkannt. In Halle fühlt Stanislav sich trotzdem wohl. „Ich bin hier groß geworden und möchte hier sesshaft werden", sagt er. Gelegentliche Ausflüge nach Köln sind in Zukunft natürlich nicht ausgeschlossen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2017
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

captcha